Was sind nochmal Serviced Apartments? Und wie nennt man sie auf deutsch?

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Tuesday, 4. July 2017

Mein erster Besuch in einem Berliner Serviced-Apartment-Haus

 

In den letzten beiden Wochen habe ich viel über Serviced Apartments gehört. Ich arbeite ja jetzt in der Branche und muss mich auskennen. Also, wie heißt es eigentlich auf Deutsch? Kurze Anfrage an Google über mein Smartphone:

"Ok Google. Was heißt Serviced Apartments auf deutsch?" Die Suche zeigt mir folgende Übersetzung: Serviced Apartments = Serviced Apartments. Danke Google!

Meine Kolleginnen sagen mir, es ist eine Unterkunft zwischen einem Hotel und einer eigenen Wohnung, Wohnen auf Zeit eben, aber mit dem Service eines Hotels. Es gibt Frühstück und eine Küche, in der man selbst kochen kann. Das Zimmer riecht dann entsprechend proportional zu den Fähigkeiten des Kochs. Gut, aber wo bleibt das Schlüsselwort? Boardinghouse hat man früher benutzt, doch mittlerweile wollen wir das Wort nicht mehr, es entspricht nicht der eigentlichen Bedeutung des Wortes, wie es im englischsprachigen Ausland verstanden wird. Ok, das hilft mir leider nicht weiter. Ich muss es selbst sehen.

 

Im Apartmenthaus

Wir fahren hin, um ein Apartmenthaus anzuschauen und uns mit dem Hotelier zu unterhalten. Wir müssen uns beeilen, laut der Wettervorhersage wird es heute sehr stark regnen, und ich will nicht, dass meine Kamera nass wird. Sie kann Nässe nicht ab. Unterwegs mache ich ein paar Fotos, die ich für diesen Beitrag verwenden möchte, lösche diese jedoch wieder. Natürlich liegt es nicht an meinem Können, die Lichtverhältnisse sind einfach nicht gut genug...
An der Rezeption werden wir freundlich begrüßt, wie man es von einem Hotel erwartet. Die Lobby ist wie ein Wohnzimmer im modernen Stil gestaltet. Mit Büchern und einer sehr interessanten Lichtinstallation. Die Lichter verändern sich von Blau, zu Violett, Rot und schließlich Grün. Schon etwas hypnotisch dieses Licht. Eine kurze Führung durch das Gebäude und wir sind in dem Apartment angekommen, was uns als Paradebeispiel für ein Serviced Apartment gezeigt wird. Eine kurze Auflistung der Vorteile folgt. Badezimmer mit einer Badewanne, Küche mit Herd, ein Arbeitstisch und ein Fernseher. Natürlich gibt es W-LAN, ein stabile Verbindung, rasend schnell, den neuesten Standards entsprechend, wie man uns erklärt. Optimal für Geschäftsreisende. Ich nicke und füge hinzu, dass die W-LAN-Verbindung in der modernen Welt eben wichtiger ist als Frühstück, ein Grundbedürfnis, ja gar ein Menschenrecht. Meine Kollegin stimmt mir zu.


"Ebenfalls haben wir vor kurzem einen Meetingraum eingerichtet mit einem Beamer und einer Telefonanlange, falls man eine Beratung durchführen möchte. Dafür musste ein Apartment geräumt werden. Es war nicht leicht durchzukriegen, aber es hat sich gelohnt. Wird auch sehr gerne von unseren internationalen Gästen in Anspruch genommen." sagt der Hotelier mit gewissem Stolz in seiner Stimme. Wir schauen uns nochmal kurz um.

 

 

Das Apartment fühlt sich an wie eine kleine Eigentumswohnung der Verwandten, die sie extra für Familienbesuche bereit halten. Moderne Bilder der Hauptstadt hängen symmetrisch an den Wänden. Keine unnötigen Gegenstände die das Wohngefühl entfremden würden. Einer Gästewohnung kommt es schon ganz nah. Die Verdunstung der Lackbeschichtung des Holzes lässt den Raum "neu" riechen. Dieser spezifische Duft, kombiniert mit den dynamischen und streng angeordneten Wandbildern, motiviert mich irgendwie unbewusst. Stille Herausforderung mein Bestes zu geben, produktiv und effizient zu sein wie eine Maschine.
Nach Zuhause fühlt es sich ohne Zweifel nicht an. Es fehlt an Erinnerungen, die ich in den eigenen vier Wänden angesammelt habe. Das fehlt hier eindeutig. Sie wissen schon, die Nostalgie die uns "Zuhause" fühlen lässt. Wir sind halt eben doch nur Menschen und keine künstliche Intelligenz, die auf reiner Logik basiert. Schade. Das ist vielleicht auch besser so. Mit ein paar persönlichen Gegenständen könnte ich hier auch länger wohnen bleiben, ohne mich gezwungen oder fremd zu fühlen.


Wir haben alles gesehen und die Wettervorhersage stimmt genau, es regnet bereits in Strömen. Eine nette Geste des Hauses, wir bekommen Regenschirme, damit wir nicht ganz nass werden. Auf dem Weg zurück ins Büro verstecke ich meine Kamera unter der Jacke und versuche so gut es geht, alle Tropfen, die in ihre Richtung fliegen, abzuwehren. Alles gut überstanden, die Füße sind nass, doch der Kopf ist trocken. Danke, Regenschirm.

 

Zurück im Büro

Unbedingt ein deutsches Wort dafür finden. Ein Keyword soll es sein. Leicht auszusprechen, geläufig im Alltag, freundlich und vertrauensvoll, wenn man es hört. Mit Bildern und Emotionen will ich es verbinden. Ja so mag ich meine Wörter. Das Wort "Serviced" heißt so viel wie bedienen, abfertigen. Gut, schon mal ein Anfang, aber so schnell lass ich mich sicherlich nicht abfertigen. Das "Serviced" habe ich ja schon entschlüsselt jetzt ist das "Apartment" dran. Bedientes Apartment ... nein Ferienwohnung. Nein, nein alles falsch. Ferienwohnung ist sicherlich nicht das richtige Wort. Es regnet unaufhörlich und ich bin geschäftlich unterwegs mitten in Berlin weit weg von typischen Ferienorten des Kontinents. Meine Recherche geht weiter. Duden sagt - Apartment (Substantiv, Neutrum). Weiter im Text eine unauffällige "Wussten Sie schon?"-Info mit dem Hinweis: "Dieses Wort gehört zum Wortschatz des Zertifikats Deutsch." Was ist bitte Zertifikat Deutsch?

Ohh man, worauf habe ich mich da wieder eingelassen? Das Wort "Apartment" ist tatsächlich ein "Wortschatz". Danke Duden. Ich füge alles zusammen. Alle meine Eindrücke des Tages und all die nüchternen Informationen, die ich gesammelt habe:

Serviced = bedienen, warten, abfertigen
Apartment = moderne Kleinwohnung (meist in einem Mietshaus)
Französisch: appartement = Wohnung
Italienisch: appartamento = abgeteilte, abgeschlossene Wohnung
Lateinisch: a parte = abgetrennt
Synonyme: Appartementwohnung, Einzimmerwohnung, Kleinwohnung, Studio, Garçonnière, Flat

Dabei fällt mir auf, dass ein Wort fehlt. Ein Wort, das meinen jetzigen Zustand beschreibt... Ich bin nämlich auf Reisen! Genau, Reisen. Das ist es, jetzt leuchtet es mir ein! Reisewohnung! Ja! Reisewohnung. Das ist das Wort! Das ist es... Hört sich gut an, oder? Sprich mir nach mit Betonung: "Réisewohnung"! Es hört sich so sicher und vertraut an, oder? Deutsch ist schon eine sehr schöne Sprache...
Ich merke, dass mein Monolog mich nicht weiter bringt. Ich muss das Wort in Szene setzen. Ich frage meine Kollegin, die mir gegenüber sitzt, ob sie mit mir eine Unterhaltung führt. Sie willigt ein. Eine kurze Einweisung von meiner Seite: "Es soll um Reisen und Serviced Apartment gehen, also antworte einfach natürlich, ok?" Sie sagt: "Ein gestelltes Gespräch natürlich zu beantworten, ist paradox." Ich lege einfach los...

    A: Hi, wie geht's dir?

    B: Mir geht's gut und dir?

    A: Danke, mir geht es gut. Ich bin in Berlin auf einer Geschäftsreise.

    B: Wo bist du abgestiegen?

    A: In einer Reisewohnung!

    B: Du meinst wohl in einem Apartment?

    A: Nein nein, es ist wie eine eigene Wohnung jedoch auf Ort und Zeit begrenzt. Also für die Dauer meiner Reise lebe ich in meiner Reisewohnung in Berlin. Verstehst du?

    B: Hmm. Ja... Ich verstehe... in Berlin trifft man oft "solche" Leute...

     

    Nikita ist seit Juni 2017 als Online Marketing Assistant neu im Team von Apartmentservice. 

     

    Fotos: ©Citadines Kurfürstendamm Berlin