Groß, größer, Zukunft

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Montag, 2. März 2020

Groß, größer, Zukunft

Was für die Zukunft des Wohnens und Gastgebens steht, lohnt sich weiterzudenken. Ein Blick auf die Zukunft der aktuellen Trends im Serviced-Apartment-Segment – und der Fokus auf zwei, die ein riesiges Potenzial mitbringen: Co-Living und Bleisure.

Über die Zukunft des Segments werden die Zahlen entscheiden – zusammen mit den dynamischen Mega-Trends, dem Mix der Akteure und dem neuen, großen Zusammenspiel der Lebensrelevanzen. Das Temporäre Wohnen und speziell das Konzept der Serviced Apartments haben dabei ein riesiges Potenzial, zu einer der wichtigsten Wohnformen der Zukunft aufzusteigen. „Wohnen auf Zeit“ wäre damit keine Blase, die zu platzen droht, weil es bald zu viele Angebote für zu wenige künstliche Bedürfnisse geben könnte. Vielmehr entwickelt sich unser altes, auf Dauerhaftigkeit ausgerichtetes Wohnmodell zu einem von vielen. Und das Temporäre Wohnen wird zu einem Phänomen und Ausdruck des neuen Verständnisses von Leben, Wirtschaft und Arbeit. Mikroapartments etablieren sich dabei aufgrund der geringeren Flächenver-fügbarkeiten und neuer Co-Konzepte als eine dominierende temporäre Wohnform –wobei Gäste und Bewohner ihre Mindestgrenze bald signalisieren werden, unter der sich für sie kein Wohngefühl mehr einstellt. Auch weil Geschäftsreisende im „war for talents“ wertgeschätzt werden wollen, Millennials einen gewissen Komfort gewöhnt sind und das Co-Living-Konzept nicht alles auffangen kann. Eine neue Flexibilität und Unverbindlichkeit wird den Markt bestimmen. Der Bahnhof X wird schnell zum Bahnhof Y, Gemeinschaften hier werden gegen neue Gemeinschaften dort eingetauscht. Möglicherweise steigt dabei das Bedürfnis, am anderen Ende der Welt in das gleiche, bekannte Wohnmarkenprodukt einzuchecken. Einzelne Serviced-Apartmenthäuser könnten ein Angebot mit weltweiten Kooperationspartnern stricken, die den gleichen Einrichtungsstil, den gleichen Co-Stil und die gleichen, datengenau hinterlegten Services bedienen. Als Airbnb-Prinzip für den professionellen Longstay-Bereich quasi. Für das Wohnen an sich bedeutet das, dass die Menschen, wo immer sie sind, ein „hyggeliges“ Zuhause-Gefühl suchen. „Wo wir wohnen, verliert an Bedeutung, hingegen wird das Wie immer wichtiger“, beschreibt es Oona Horx-Strathern in ihrem „Homereport 2019.“ Das Zuhause reduziert sich auf ein Wohlgefühl. Es wandelt sich von einem physischen Ort zu einer mobilen, flexiblen Offerte. Viel geht es bei der Einrichtung um das Ziel, „sich aus der Abhängigkeit des digitalen Lifestyles und dem Always-on zu befreien“ – mit mehr sensorischen, natürlich-analogen Materialien wie Holz und Leder und mit postdigitalen Services, die ein „Mindful Living“ ermöglichen. Wenn man das Thema weiterdenkt, könnte sich das Temporäre Wohnen zu einem eigenen Architekturstil entwickeln.

 

It‘s all about Co-Mindset

Wie auch immer – Soziologen, Kulturwissenschaftler und Zukunftsforscher werden in den nächsten Jahren viele neue Forschungsfelder in der Welt des Temporären Wohnens finden, die sich vor allem um das große neue Schlagwort Gemeinschaft drehen. Im „Zukunftsreport 2019“ wird es schon jetzt das „Comeback der Kooperation“ genannt. Der Mensch sei demnach nicht mehr der rational-egoistische Typ, sondern entwickelt sich weiter zum sozialen Wesen, „das mit Mitteln der Kooperation nach Sinn, Emotionalität und Innovation sucht“, um mit der so komplex gewordenen Wirklichkeit umzugehen.

Co-Living wird zu einem Lebenskonzept. Zu einer analogen Sehnsucht nach Einmaligen und Haptik – in Form des Retro-Wohnzimmers, des Hühnerstalls oder in Gemein-schafts- und Nähe-Aktivitäten wie Dog Sharing. Viel geht es dabei um das Prinzip der Gleichgesinnten, die sich mit ihren gemeinsamen Interessen „verbünden“ und ein neues, inspirierendes Wir schaffen. Apartmentbetreiber bieten nicht nur den Raum dafür, sondern werden zum Moderator, Animateur und Psychologen. Schon jetzt ist der Blick auf aktuelle Konzepte beachtlich, allen voran durch große Player wie Ollie, Common, The Collective und Quarters oder durch neue wie Hmlet aus Singapur. Die Macher von The Collective spielen das Thema Gemeinschaft dabei viel inhouse mit der Yoga-Terrasse, dem Waschsalon samt Disco-Ball und dem eigenem Haus-Event-Programm. Bei Quarters stehen auch gemeinsame Aktivitäten mit den Bewohnern out of home im Fokus. Bei Ollie verbindet die Ollie-Living-App alles und jeden miteinander. Parallel zum „Kommt alle zusammen“ setzen manche Projekte inzwischen auch auf die Macht der Begehrlichkeit. Bei „Projects“ oder „Norn“ zum Beispiel muss man sich anmelden und mehr oder weniger bewerben, um in den Kreis mit dem gleichen Mindset aufgenommen zu werden. Die Bewohner treten quasi einem exklusiven Club bei und lassen sich vom Leben, das einen die nächsten Monate erwartet, überraschen – immer auf der Suche nach dem gleichen Mindset und dem eigenen „Tribe.“Mit dem Fokus auf das gleiche Mindset wächst das Mindful Living unter Gleichgesinnten alters- und generationenunab-hängig. Es werden Lifestyle-Kommunen dominieren, die in das gesamte Leben der Bewohner eingreifen. Das Thema Community wird zum Mainstream.

 

It‘s all about Bleisure

Bleibt für den Zukunftsmoment das Bleiben – als Reise- statt Wohntrend. Denn Geschäftsreisende, vor allem die Millennials, entdecken immer mehr den Reiz von Bleisure, also des privaten Verlängerns der Reise um zwei, drei Tage für Sightseeing, Sport & Co. Laut der Studie „Chefsache Business Travel 2019“, einer Initiative von Travel Management Companies im Deutschen Reiseverband (DRV), haben 72 % der befragten Geschäftsreisenden auf diese Art bereits Beruf und Freizeit miteinander verbunden. Besonders jene, die mehr als dreimal im Monat dienstlich unterwegs sind, werden zu Bleisure Travellern (80 %) – und in überraschend hohem Maß auch die Chefetagen: Acht von zehn Geschäftsführern kombinieren den Business Trip mit einem (Kurz-) Urlaub. Der Bleisure-Umfang ist bisher vielfältig. Sei es, indem man ein paar Stunden später abreist (ca. 30 %), indem man mit dem Partner oder Freunden Zeit im gleichen Hotel während oder nach der reinen Geschäftsreise verbringt (21 %) und am häufigsten, indem eine oder mehrere Übernachtungen angehängt werden, um die Reise selbst noch für Leisure Time auszukosten (ca. 50 %). „Wenn ich mit Geschäftsreisenden über Bleisure rede, wissen die meisten sofort, worum es geht und beginnen, von eigenen Erlebnissen zu erzählen“, erklärt der Reisejournalist Kai Böcking, der selbst 200 Tage im Jahr beruflich unterwegs ist und 2018 mit dem Bleisure Traveller das erste Online-Reise-Magazin zu dem Thema lanciert hat. „Gerade für Apart-hotels mit vielen Shortstay-Aufenthalten in Geschäftsreisemetropolen wie Frankfurt am Main wäre die Vermarktung von Bleisure-Angeboten eine Chance, noch mehr Auslastung an den Wochenenden zu generieren. Städte wie München, Wien oder Paris stehen per se für Bleisure, weil viele im Anschluss privat die Stadt entdecken wollen und zum Teil die Familie nachholen. “Doch am Eiffelturm anstehen oder im Menschenmeer des Piccadilly Circus untergehen – das ist gerade bei Bleisure-Reisen nicht unbedingt das Maß aller Dinge. Dafür sind die Reiseerfahrungen und -ansprüche vieler Business Traveller per se hoch und höher. Bei Serviced Apartments und vor allem Longstay gilt zudem das Sonderprinzip, dass die Business Traveller bereits vor Ort sind und Bleisure-Reisen quasi zwischen der Arbeit unternehmen. Gerade hier bieten sich persönliche Ausflugstipps oder individuelle Touren des Apartmenthausteams an. Auch sind für die Zukunft Kooperationen mit Leisure-Destinationen interessant, indem das Serviced-Apartmenthaus zum Beispiel das Berghütten-Wochenende mit anbietet. Künftig geht es immer mehr um unterschiedliche, individuelle Angebote aus einem Haus. Um die Vielfalt, den Mehrwert und den Unterschied, den Serviced-Apartment-Betreiber noch umfassender mit Bleisure-Angeboten zeigen können. Als jene, die den Gast und dessen moderne Lebens-, Wohn- und Arbeitsbedürfnisse schon immer besser verstanden haben.

Autorin: Sylvie Konzack

Foto: © Fotolia

 

 

 

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