Serviced Apartment Summit Europe 2018 – London, Berlin und überall

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Mittwoch, 18. Juli 2018

London, Berlin und überall

Mehr Pipelines, mehr Marken, mehr Leisure-Zielgruppen und damit in UK die gleichen Apartmenttrends und -themen wie in Deutschland. So lautet ein überraschend klares Fazit des 2018 Serviced Apartment Summit Europe in London. Ein anderes: UK-Brands kommen nach Deutschland und werden hier für Bewegung sorgen.

Das Vereinigte Königreich zählt zu den Muttermärkten der Serviced-Apartment-Welt. Das ist bekannt. Und doch staunten die Teilnehmer des 2018 Serviced Apartment Summit Europe in London Bauklötze, als sie die Wachstumsmärkte und Pipelines in ihrem Heimatmarkt auf bunten Charts sahen. In ganz UK ist, laut STR, das Serviced-Apartment-Angebot in den letzten Jahren stetig proportional höher gewachsen als der gesamte Beherbergungsmarkt - allein zwischen 2014 und 2018 von 17.740 auf 22.637 Einheiten. Und nicht primär in London, sondern in Städten wie Glasgow (184 %), Manchester (158 %) und Liverpool (105 %) befinden sich derzeit extrem viele neue Einheiten in der Pipeline, informierte Thomas Emanuel, Director of Business Development bei STR.

Von Mai 2017 bis Mai 2018 waren die Serviced Apartments im Vereinigten Königreich im Durchschnitt zu 75,9 % belegt. Der ADR lag bei £ 119,86 und der RevPar bei £ 90,98 – alle Kennzahlen befinden sich damit über denen des gesamten UK-Beherbergungsmarkts, vor allem im Hinblick auf die Durchschnittsrate (£ 87,53) und den RevPar (£ 64,49).

Weltweit führt in puncto ADR Singapur das Ranking an, gefolgt von UK und UAE. Den größten Bedarf an weiteren Serviced Apartments machen die Statistiker von STR vor allem in Südamerika, Afrika und Asien aus. Nur in Mittelamerika und im Nahen Osten übersteigt das Angebot die aktuelle Nachfrage – allein in Middle East ist der RevPar um 6,9 % gesunken (Mai 2018). 

 

 

Innerhalb von Europa gelten Amsterdam, Athen und Wien als die Metropolen mit den aktuell größten Zuwächsen, sowie Paris, Moskau und Brüssel als erfolgreiche „Rückkehrer“. Erste Sättigungstendenzen sieht STR in London, Warschau und Hamburg. Deutschland gilt in Europa mit einem Wachstum um 42 % bis 2020, laut Marktreport 2018 von Apartmentservice, als einer der ambitioniertesten Expansionsmärkte auf dem Kontinent.

Auch beim „Investment outlook“ auf dem Summit wurden diese Prognosen wohlwollend kommentiert. Die Bereitschaft, in den Sektor zu investieren, sei groß, bestätigten alle Teilnehmer. Vor allem der amerikanische Investmentgigant Brookfield hatte zuletzt mit dem spektakulären rund 483-Millionen-Euro-Kauf von SACO eine Menge Aufsehen erregt. „Serviced Apartments bilden für uns ein attraktives Investitionsfeld, weil sie eine zeitgemäße Antwort auf die Hotellerie sind und der Sektor seit Jahren mit Wachstumszahlen aufwarten kann“, erklärt Lauren Okada, Vice President, Brookfield Property Group. SACO will nun mit den neuen Möglichkeiten im Rücken vor allem mit der Designmarke Locke in allen europäischen Metropolen wachsen. Allein in Deutschland befindet sich aktuell ein Haus in Berlin in der Entwicklung. München, Frankfurt und Hamburg sind bereits in der Planung.

Auch der Serviced-Apartment-Anbieter Staycity hat viel vor. Gerade ist das irische Unternehmen mit seiner Designmarke Wilde Aparthotels by Staycity in London am Covent Garden gestartet. In Deutschland will man ebenfalls zuerst Berlin und dann weitere Standorte erobern. „Das Design- und Servicekonzept von Marken wie Locke oder Wilde wird in Deutschland für mächtig frischen Wind sorgen“, ist Anett Gregorius, Gründerin und Inhaberin von Apartmentservice, überzeugt. „Bisher haben darauf nur einige Einzelbetreiber und kleine Ketten gesetzt.“

 

 

 

Ob mit Blick auf das starke Wachstum internationaler Marken oder nicht – auch bei den Betreibermodellen vollziehen sich aktuell Wandlungen. Laut der gerade veröffentlichten Studie des Hotelberatungsunternehmen HVS mit Sitz in London, setzt das Segment immer häufiger auf hotelähnliche Eigentums- und Managementstrukturen. Dies zeige sich in einer steigenden Zahl an Management- und Franchiseverträgen im Serviced-Apartment-Bereich, um flexibler sowie einfach und ohne Risiko zu expandieren. „Auch für den deutschen Markt kann ich diesen Trend bestätigen.“, so Anett Gregorius.

Daneben diskutierten die Vertreter in UK, wie auch in Deutschland, intensiv die Veränderungen, die die neuen Leisure-Zielgruppen für das Produkt Serviced Apartment mit sich bringen. „Wie klein können wir noch werden?“, fragte u. a. Vedrana B. Riley, CEO Ciel Capital, vor dem Hinblick, dass bestimmte Bereiche wie die Küche immer mehr in Community Spaces ausgelagert werden und sich Studios anstelle größerer Einheiten zu den Bestsellern entwickeln. Wie wenig Longstay und mehr Shortstay agiert der Markt gerade? Wie lässt sich in Zeiten von wohnwirtschaftlichen Apartmentmodellen das Thema Service und Guest Journey wieder mit mehr Leben und DNA füllen? Für Anja Graf, CEO von Visionapartments, liegt eine Antwort in der Etablierung großer digitaler Strategien im Serviced-Apartment-Bereich. Im Herbst will sie mit ihrem Unternehmen erstmals ein eigenes PMS für das Segment launchen und in den nächsten Jahren die weltweite Nutzung durch Partner anvisieren, kündigte sie an.

Und der Brexit? Auf dem Summit nur als „B-Word“ bezeichnet, will sich davon keiner der Teilnehmer verunsichern lassen. Viele waren sich einig, dass die Nachfrage in dem Segment hoch bleiben wird. Und wer international agiert, hat sowieso vielversprechende Möglichkeiten, an anderen Standorten zusätzlich zu investieren. Berlin bildet dabei ein besonderes Ziel: Wenn SAS im Januar 2019 mit seinem Event „Recharge“ in Berlin zu Gast sein wird, werden Investoren und Betreiber einen nachhaltigen Eindruck von den vielen realisierten und geplanten Projekten in der Hauptstadt gewinnen. Das Berliner Unternehmen Apartmentservice wird exklusiver Partner des Events sein.

Autorin: Sylvie Konzack

Bilder und Grafiken: STR Global (Grafik); Sylvie Konzack (Wilde); Apartmentservice (London, Konferenz)