Greta-Effekte gesucht

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Dienstag, 10. März 2020

Greta-Effekte gesucht

Welchen Beitrag leistet das Segment zur Erfüllung der Klimaziele? Mancherorts einen ambitionierten. Aber das Potenzial und die Möglichkeiten sind noch größer, darin sind sich viele Betreiber einig. Ein paar Stimmen und Initiativen.

Seit Greta, Luisa und Rezo sind Nachhaltigkeitsthemen von einem Nice-to-have zu einem großen To-do avanciert. Erst recht in der Reiseindustrie, die als großer Ressourcenverbraucher gilt und stetig mehr mit neuen Green Policies der Corporate-Kunden konfrontiert ist.

Die Hotellerie hat hier, das darf erwähnt werden, bereits in den letzten zehn Jahren aufgrund der hohen Energiekosten Einsparmaßnahmen gestartet – mit Blockheizkraftwerk-Technologien, Öko-Strom-Initiativen oder modernen Mobilitätskonzepten. Ketten wie Scandic haben dies zu ihrem USP gemacht. Big Player wie Marriott, Hilton oder Accor gründeten Umweltprogramme, die zuletzt in selbstauferlegten Plastikverboten, Recycling- oder Baumpflanzprojekten mündeten.

Gerade das Segment der Serviced Apartments hätte besondere Möglichkeiten der Nachhaltigkeit, da sind sich viele Betreiber einig. „Unser Sektor hat ein großes Potenzial, da Langzeitaufenthalte ressourcenschonend sind“, betont unter anderem Debora Verna, Group Marketing & Communications Manager bei Visionapartments, und verweist auf die Verwendung von Solarenergie für die Poolheizung im Unternehmen, auf Recyclingprojekte und weniger Chemikalien in der Wäscherei. Auch Adagio sieht ein großes Nachhaltigkeitspotenzial „gerade im Extended-Stay-Segment“, erläutert Anja Müller, Vice-COO Europe and Partners Aparthotels Adagio: „Eine wöchentliche statt tägliche Zimmerreinigung verringert im Vergleich zum klassischen Hotel deutlich den Einsatz von Putzmitteln. Handtücher und Bettwäsche werden ebenfalls länger benutzt.“ Hinzu kämen regionale und Bio-Frühstücksprodukte oder die Abfalltrennung in den Apartments und auf jeder Etage. Obligatorisch nimmt Adagio am Accor-eigenen Programm Planet21 teil.

Immobilie first

Auch die SV Group setzt bei den Marken Residence Inn und bald auch Stay Kooook auf die großen Effekte durch Abfall- sowie F&B-Themen. Auslöser war eine Analyse 2012, berichtet Kornell Otto, Project Management Director bei der SV Group. „Nicht die Logistik oder das Kochen, wie ursprünglich vermutet wurde, war für den Großteil der Klimabelastung verantwortlich, sondern der Warenkorb. Wollte die SV Group die CO2-Emissionen tatsächlich verringern, musste bei den Gästen die Lust auf klimafreundliches Essen geweckt werden.“ Zugleich wurde die Wertschöpfungskette überarbeitet und die Zusammenarbeit mit dem WWF Schweiz und dem Schweizer Tierschutz gestartet. Doch den größten Klimafaktor sieht Kornell Otto in der Immobilie selbst. „Hier macht es gerade für wachsende Marken Sinn, sich im Development-Prozess besonders für Minergie- bzw. LEED-zertifizierte Immobilien zu interessieren“, ist er überzeugt. Doch hier liegt noch viel Potenzial auf der Straße, meint auch Helmut Dörfer, Architekt und Energieberater, Partner bei Dörfer Grohnmeier Architekten Partnerschaft: „Das Thema Nachhaltigkeit findet bislang bei der Planung und Realisierung von temporären Wohnprojekten wenig Berücksichtigung. Ein wesentlicher Grund dafür könnte das Investor-/Nutzer- Dilemma sein.“ Die Gesetze würden noch keine strengeren Richtlinien vorgeben, sodass bei neuen Serviced-Apartment-Projekten oft nur der energetische Mindeststandard realisiert würde. „Das Dilemma besteht darin, dass höhere Investitionen in einen besseren Energiestandard oder ressourcensparende Technologien keinen Niederschlag in der Ermittlung und Festsetzung von Pacht-preisen finden“, ergänzt er – „obwohl hier ein erhebliches Einsparpotenzial bei Betriebskosten und CO2-Ausstoß besteht“, und es nachträglich umzusetzen meist zu aufwändig wäre. Aus Betreiber-sicht bestätigt dies Matthias Niemeyer, Head of Development Europe bei Adina Apartment Hotels: „Nachhaltigkeit fängt beim Bauen an, und hier wird noch viel zu wenig auf Nachhaltigkeit geachtet. Serviced Apartments könnten bei erfolgreicher Umsetzung einen Wettbewerbsvorteil haben, da sich Gäste durch den längeren Aufenthalt mehr mit „ihrem“ Apartment identifizieren.“ Letztlich würde es aber darauf ankommen, ob Gäste für Nachhaltigkeit zahlen wollen. „Dies ist bislang nicht der Fall.“

Die Macht des Mitarbeiters

Der Faktor Gast spielt also eine große Rolle. Der Faktor Mitarbeiter vielleicht eine noch größere, würden die Living Hotels sagen. „Die Herausforderung eines wirklich greifenden Nachhaltigkeitskonzepts liegt darin, die Maßnahmen nicht einfach von Zentralseite oder Vorstandsebene aus vorzugeben, sondern die Mitarbeiter aktiv zu beteiligen“, ist Lorenz ter Veen, COO Living Hotels, überzeugt. Dafür müsse man die Mitarbeiter für das Konzept begeistern, „weil die Mitarbeiter gelebte Nachhaltigkeit zu ihrem Projekt machen“ und eigene Ideen umgesetzt sehen, ergänzt er und blickt zugleich auf die neue Living-Moments-Philosophie, die alle Bereiche betrifft. „Momentan können wir gar nicht so viel umsetzen, wie gute Vorschläge und Ideen an uns herangetragen werden“, sagt Lorenz ter Veen. Hinzu komme, dass ein fester, vernünftig umgesetzter Achtsamkeitsgedanke die Unternehmensperformance steigert und von den Mitarbeitern und Longstay-Gästen nachgefragt wird. Die 16 Living Hotels sind seit Juni 2019 mit dem Siegel Green Globe zertifiziert. In den Hotels fließt nur Öko-Strom. Einwegbecher, Plastikstrohhalme, verpackte Lebensmittel auf dem Frühstücks-tisch sowie Produkte aus Palmöl sind verbannt. Die individuellen Maßnahmen reichen von protokollierten Fahrgemeinschaften bis hin zu organisierten Garbage-Good-bye-City-Touren für Mitarbeiter, Gäste und Bürger. Und das Ganze mit Entwicklungspflicht:

Innerhalb eines Jahres muss eine ausreichende Zahl an neuen Maßnahmen hinterlegt werden. Ein Loblied auf den Status Quo ist also zwecklos. Vielleicht wissen es manche noch: Auch die Handtuch-Policy war einmal eine Mitarbeiteridee. Zumindest erzählt es die Legende über einen Scandic-Mitarbeiter. Die Zeit ist reif für neue, grüne Legenden.

Autorin für Apartmentservice: Sylvie Konzack

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